Commander Deck Tech: Goblins

Rise of the Squeemortals

Opfern für den guten Zweck

Autor: David Merker-Schwendinger

Nachdem alle meine Spielkollegen auf das Commanderformat umgestiegen waren, war es auch für mich an der Zeit, ein 100-Karten Deck zu erstellen und mich in unbekannte Gewässer zu begeben.

Meine vorangehenden Decks und mein Spielstil zielten meist darauf ab, Chaos zu stiften, die Schmerz- und Toleranzgrenze des Gegners auszuloten und lange genug zu überleben, bis sie entnervt das Handtuch geworfen haben.

Ein Deck wird geboren

Diese Überlegung bildete die Grundlage meines Decks, welches mehrere Entwicklungs- und Veränderungsphasen durchlief. Da mir eine schöne und runde Lore für meine Eigenkreationen immer wichtig war, stand am Anfang die Idee, wie ich ein Landdestruction und Sacrifice-Deck umsetzen konnte.

Als erste Idee kam mir ein Insekten- und Fäulnisset, welches Grist, the Hunger Tide als Commander nutzte. Da sich die Kombination Schwarz-Grün zwar gut mit Sacrifice-Mechaniken (vor allem seit der Ravnica-Edition) vereinen ließ, aber mir relativ wenig Möglichkeiten zur Landzerstörung ließ, wurde eine Kombination mit Rot immer wahrscheinlicher. Also strandete ich zuerst bei den Shattergang Brothers, welche drei solide Möglichkeiten zur Opfermechanik anbieten.

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Nach einigen Probespielen, in welchen die dreifarbige Kombination gut funktionierte, dachte ich weiter darüber nach, welche Kreaturentypen in diversen Fantasy-Bereichen als „nervig“ und „zerstörerisch“ deklariert wurden. Die Shattergang Brothers, hatten bereits diesen Kreaturentyp, Goblin. Um genug Tokens zu generieren und diese sinnvoll opfern zu können, stellte ich die Farbkombination auf Schwarz-Rot um, klassisch für Zerstörung und Anarchie.

Das Deck selbst ist kein hoch optimiertes fast-to- and Play-to-Win- Deck, eher eines, welches den Gegner langsam aber stetig zermürbt und darauf baut, dass früher oder später Fehler begangen werden, welche eine Schwachstelle offenbaren, welche man ausnutzen kann.

Das Deck folgt also dem Motto: Beschieß die Mauern so lange, bis sie zerbrechen und dringe dann durch das Loch ein.

Decklist

Goblins

Führe den Mob

Als guter zweifärbiger Goblin-Commander, um Boardwipes und andere Single-Destructions gut wegstecken zu können, erschien mir Wort, Boggart Auntie.

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Für 2BR dürfen wir uns mit dieser 3/3 Goblinkreatur in jedem Upkeep einen Goblin aus dem Friedhof zurückholen. Zugleich ist sie mit Furcht ausgestattet, was es manchmal erleichtert, Commanderschaden auszuteilen.

Weck‘ die Horde

Neben dem Commander befinden sich 30 weitere Kreaturen im Deck, meist Goblins, aber auch andere Typen, welche eine gute Synergie mit dem Grundgedanken des Decks bilden.

Knüpft man bei dem Gedanken an, dass ein stetiger Vorrat an Goblins vorhanden sein muss, um diese verheizen zu können, dienen dem Deck neun Kreaturen:

  • Der Legion Warboss sowie der Rabblemaster zwingen uns, aggressiv zu spielen und den Gegner – auch mit kleinen Kreaturen – kontinuierlich unter Druck zu setzen, wenn man diese nicht vorher opfert. Auch wenn nur ein Schadenspunkt verursacht wird, zählt letztendlich die Summierung.

  • Mit Pashalik können wir aus einem Goblin und 3R zwei Goblintokens erschaffen.

  • Der plündernde Krenko erschafft uns für jede +1/+1 Marke auf ihm einen 1/1 roten Goblintoken.

  • Nachdem er zum Mob Boss aufgestiegen ist, kann er die Goblins multiplizieren, welche unter unserer Kontrolle im Spiel sind.

  • Der Boggart Mob harmoniert gut mit der Aggressivität, welche die Goblins an den Tag legen können. Jeder Goblin, welcher nicht geblockt wird, erschafft passiv einen schwarzen 1/1 Goblin Rogue Token.

  • Der Trumpeter Morph erschafft uns für XXR X 1/1 Goblintokens, sobald er aufgedeckt wird.

  • Zu guter Letzt, nicht nur aufgrund der fantastischen Illustration, welche mich jedes Mal zum Lachen bringt, muss der Siege-Gang Commander erwähnt werden. Sobald er ins Spiel kommt, erschafft er drei Goblintokens. Seine aktive Fähigkeit, für 1R einen Goblin zu opfern und einer Kreatur oder einem Spieler zwei Schadenspunkte zuzufügen, lässt den Spieler, sollte man einen passiven Stil bevorzugen, die von anderen Karten ins Spiel gebrachten Tokens schnell auf den Friedhof bringen, um über die Verteidigung des Gegners hinweg seine Lebenspunkte zu schmälern.

Nimm dir, was du brauchst

Um an die richtigen Goblins im Deck zu gelangen, sind der Goblin Recruiter und Boggart Harbinger von solidem Nutzen. Ersterer lässt uns für die Kosten von 1R beliebig viele Goblins aus dem Deck suchen, zweiterer für 2B eine.

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Diese beiden können uns zur klassischen Endlesskombo führen, welche aus dem Conspicuous Snoop, Kiki-Jiki, Mirror Breaker und einem dritten Goblin besteht. Die Idee dahinter ist, unendlich viele Tokens zu erschaffen, die geopfert werden können, um Schaden zuzufügen.

Um dies zu unterstützen, sind der Mayhem Devil, Goblin Sharpshooter oder Torbran, Thane of Red Fell dienlich.

Torbran erhöht den Schaden, den rote Quellen zufügen, der Devil fügt einem beliebigen Ziel einen Schadenspunkt zu, sobald ein Spieler eine permanente Karte opfert und der Goblin Sharpshooter – natürlich mit großartigem Design – fügt mit tappen einen Schadenspunkt zu, kann aber mit jeder gestorbenen Kreatur enttappt werden.

Drei Kreaturen, die im Deck enthalten sind, pushen die Stärke der eigenen Kreaturen: Mad Auntie, Goblin Chieftain und Judith, the Scourge Diva.

Die beiden Goblins erhöhen die eigenen „Squishlinge“ um +1/+1, Judith andere Kreaturen um +1/+0. Der Chieftain verleiht zusätzlich noch Hast, was die Aggressivität pusht.

Die Opferung eigener Kreaturen ist, wie bereits unterstrichen, ein großer Punkt im Deck, sieben Kreaturen zielen darauf ab. Der Butcher of Malakir und Priest of Forgotten Gods schaden dem Gegner und zwingen diesen, auch eine Kreatur zu opfern, ohne eine zusätzliche Verzauberung zu benötigen. Der Vermin Gorger versorgt uns mit einer kleinen Menge an Lebenspunkte, der Skirk Prospector mit Mana, der Goblin Lookout verstärkt den Mob.

Zielt man nun auf die Manabasis des Gegners ab, ist der Earthblighter nötig, ebenso wie die Orcish Settlers. Zwei Kreaturen sind weitestgehend eigenständig, wenn es darum geht, aus dem Jenseits zurückzukehren – Squee, the Immortal und Endless Cockroaches.

Sollten die meisten Stränge reißen, um Kreaturen zurückzuholen, ist neben Wort die Kriegerin Alesha, Who Smiles at Death im Fokus. Für BB kann eine Kreatur, sobald Alesha angreift, die weniger Stärke als 2 hat, was in Goblin-Tribaldecks schnell zutrifft, angreifend ins Spiel zurückgebracht werden.

Lass dich verzaubern

Achtzehn Verzauberungen bringen dem Deck diverse Fähigkeiten und unterschiedlichen Nutzen, der an den jeweiligen Spielstil angepasst werden kann. Drei davon, Goblin Warrens, Goblin Assault und Goblinslide, versorgen uns mit Goblintokens, die als Kanonenfutter dienen.

Der Goblin Shrine und Quest for the Goblin Lord verstärken den eigenen Mob, was für eines der im Deck enthaltenen Artefakte eine gute Basis bildet. Zwei weitere Karten, ggart Shenanigans und Goblin Bombardment, greifen Hand in Hand mit der Snoop-Kombo und anderen Sacrifice-Mechaniken, um nebenbei Schaden zu generieren.

Fünf Verzauberungen fokussieren sich auf Landzerstörung oder das Prinzip der verbrannten Erde, wenn man es so bezeichnen will: Blood Moon, Impending Disaster, Price of Glory, Desolation und Shivan Harvest.

Sobald man sich selbst eine solide Kreaturenbasis aufgebaut hat, schmerzt es nicht mehr viel, selbst Länder zu verlieren. Gegen Decks, die viele Fetch- oder Sacrifice-Länder inkludieren, bewährte sich Blood Moon ein ums andere Mal.

Attrition und Vampiric Rites lassen uns Kreaturen opfern, um Karten zu ziehen, oder eine andere Kreatur zu zerstören. Dictate of Erebos oder Grave Pact ähneln dem Butcher of Malakir und sorgen dafür, dass jedes eigene Geschöpf ein feindliches mit ins Grab nimmt.

Die zwei letzten Verzauberungen, Curse of Shaken Faith and Vicious Shadows fügen dem Gegner passiv Schaden zu. Die Shadows lassen sich gut mit der Sacrifice-Mechanik kombinieren, sie fügen doppelten Schaden zu, wenn man selbst und der Gegner eine Kreatur opfert.

Zerstöre Ihre Heimat

Sechs der im Deck enthaltenen Zauber zielen auf die gegnerischen Länder ab.

Rancid Earth ist eine der wenigen schwarzen Karten im Deck, die es ermöglicht, gegnerisch Länder zu zerstören.

Jokulhaups ist der einzige kompletter Boardwipe des Decks, Wake of Destruction, Bend or Break, Thoughts of Ruin und Stone Rain geben uns ein breites Spektrum an Möglichkeiten, um den Gegner zurückzuwerfen, oder das Spiel komplett zu resetten.

Dragon Fodder, Krenko’s Command und Hordeling Outburst erschaffen für geringe Manakosten Goblintokens, die wir sogleich opfern können.

Grim Discovery kann eine Kreatur und ein Land von Friedhof zurück auf die Hand bringen, Blood for Bones lässt uns ein Geschöpf opfern, um eine Kreatur aufs Spielfeld zurückzubringen, sowie eine weitere auf die Hand. Bedevil and Bone Shards sind die einzigen Zauber, welche gezielt eine einzelne Karte zerstören können, zweitere unterstützt die Sacrificetaktik des Decks.

Was sonst noch?

Nachdem offensichtlich wird, dass Landzerstörung(en), ziemlich sicher auch mit Kollateralschaden, vonstattengehen werden, ist Crucible of Worlds nötig.

Ashnod’s Altar, Altar of Dementia und das Eldrazi Monument geben uns drei Möglichkeiten, Kreaturen zu opfern.

Altar of Dementia ist mit den verstärkten Goblins kombinierbar, die mit Krenko massenhaft erschaffen werden können, Ashnod’s Altar generiert für jede geopferte Kreatur zwei farblose Mana, ebenso wie der Sol Ring.

In einigen Spielen konnte bereits in frühen Zügen durch Landzerstörungen der eigene Vorteil so massiv ausgebaut werden, dass ein Sieg unausweichlich wurde, bei Mehrspieler-Partien mit einem längerfristigen Aufbau konnte nicht mehr leicht auf die Vernichtung der Länder aufgebaut werden, eher auf die Sacrifice-Mechaniken und deren passiver Schadensoutput, sowie die Zerstörung der Kreaturen des Gegners.

Andererseits konnten zerstörungsbasierte Decks diesem Commanderdeck schnell die Luft aus den Segeln nehmen, wenn die Kreaturen kontinuierlich zerstört wurden, bevor sie ihren Nutzen entfalten können. Jedoch macht mir jede Partie mit diesem Deck Spaß, da ein breites Spektrum an Möglichkeiten vorhanden ist, um Schwachstellen beim Gegner auszuloten und durch diese einzudringen.


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